Gießener Burschenschaft Germania


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Freitag, 3. September 2010
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Die Geschichte Germania Giessens mit Bezug auf die heutige Zeit
Betrachtet man den Werdegang unseres Bundes mit seinen Höhen und Tiefen, so wird sehr schnell deutlich, dass stets die nahe und ferne Zukunft im Auge behalten wurde, und Germania nur durch immerwährenden Optimismus auch durch die schwersten Zeiten hindurchgesteuert werden konnte. Ohne diese unbeirrbare Zuversicht hätte sich unser Bund nicht durch ein Jahrhundert hindurch halten können, das durch Weltkriege und andere Krisen mehrfach umgekrempelt wurde. Es ist eine wechselvolle Geschichte durch die unser Bund, der nun im August in sein 154. Jahr geht, hindurchgegangen ist. Germania Giessen erlebte als noch recht junge Verbindung die Proklamation des Kaiserreichs, sah drei Kaiser kommen und gehen, bestand während der Weimarer Republik und überstand den Nationalsozialismus. An der Gestaltung der uns bis heute teuren Demokratie waren auch zahlreiche Burschenschafter beteiligt. Ein großes Ziel, das den gesamten Dachverband der Burschenschaften für lange Zeit einte, wurde vor nicht allzu langer Zeit erreicht: die Wiedervereinigung.
Inzwischen befinden wir uns in Deutschland in einer Art schwerelosem Zustand. Es gibt nicht mehr jene drohende Gefahr, wie man sie in den Zeiten des Wettrüstens vor dem ersten und zweiten Weltkrieg oder während des kalten Krieges allgegenwärtig vor sich sah. Sie war in jenen Zeiten oft heraufbeschworen, übersteigert, aber hatte immer eine identitätsstiftende Wirkung. Inzwischen fällt es den Deutschen sehr schwer überhaupt noch so etwas wie Nationalgefühl in dem sich ausweitenden Europa zu empfinden, und auch Einrichtungen wie die Bundeswehr sehen sich mehr und mehr in Frage gestellt, da sie offensichtlich nicht mehr der Vaterlandsverteidigung dienen, sondern im Hindukusch umherklettern. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Burschenschaften, die sich Zeit ihres Lebens auch den politischen Auftrag auf die Fahnen schrieben, heute überhaupt noch notwendig sind. Die Demokratie für die sie seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kämpften, ist in Deutschland erreicht, die Einheit ebenfalls. Die Antwort muss jedem mündigen Bürger, der den Anspruch auf Demokratie erhebt, ganz offensichtlich klar sein. Es mag zwar nicht nur spektakulärer sondern auch einfacher sein sich etwas zu erkämpfen als es durch unbedeutende Zeiten hindurch zu bewahren. Jedoch muss dies der politische Auftrag für jeden Deutschen sein und auch die allgemeine Existenzberechtigung der Burschenschaften. Burschenschafter zu sein heißt sich aktiv zu dem bestehenden System zu bekennen und es mit bewahren zu wollen.
Geht man zurück in die Anfänge des Bundes und die Umstände seiner Entstehung, so fallen als erstes der Mut und die Risikobereitschaft der an der Gründung Beteiligten auf. Damals gab es in Giessen das Corp Teutonia, das sich aus den Umsturzversuchen der Revolution von 1848 herauszuhalten gedachte. Einzelne Verbindungsstudenten nahmen dennoch an den Aufständen teil und wurden daraufhin aus ihrem Bund ausgeschlossen. Aus den ehemaligen Teutonen bildete sich die Kneipgesellschaft „Nassauer Hof“, die sich am 5.Mai 1850 unter dem Namen Germania eine Verfassung gab. Der oben schon erwähnte politische Auftrag, war also ausschlaggebend dafür, dass sich aus dem Corps heraus unser Bund entwickelte.
Am 14. August 1851 kam es dann zur offiziellen Gründung der „Verbindung Germania“. Die zwei Jahre später angenommenen Farben schwarz – rot – grün werden heute noch in Erinnerung an die damalige Zeit und das Verbot von schwarz – rot – gold beim Stiftungsfest und bei der Recipierung getragen. Die zunächst getragene schwarze Mütze änderte sich 1858 in das noch heute getragene ziegelrot. Durch eine ministerielle Genehmigung konnten dann 1861 auch die Farben schwarz – rot – gold angenommen werden, die Germania als erste Burschenschaft am Orte trägt.
In den kommenden Jahren musste unser Bund dann zwei Mal wegen Mitgliedermangel suspendiert werden (1873 – 1876, 1885 – 1888). Bei der letzteren Suspendierung gelang das Wiederaufleben durch die Unterstützung von Alemannia Giessen.
Einen weiteren Einschnitt bildet der Hausbau, der 1900/01 stattfand und 1930/31 erweitert wurde. Schon damals war ein unheimlicher Zukunftsoptimismus notwenig, den es sicher nicht gegeben hätte wenn man die ein paar Jahre später über Deutschland hereinbrechende Katastrophe geahnt hätte. Das Haus überstand jedoch Bombenterror und Besatzungszeit und wurde schon bald nach dem Krieg wieder von Verbindungsstudenten genutzt. Schon im Sommersemester 1946 hatte sich die studentische Verbindung „Universia“ gegründet, die sich bald in „Ludoviciana“ umbenannte. Von der Altherrenschaft der suspendierten Germania übernommen (1948), bildeten sie den Grundstock für das erneute Aufblühen unseres Bundes. Die Farben der Ludoviciana (schwarz – rot – silber) werden von uns heute noch bei Weihnachtskneipe und Recipierung getragen.
Warum die Burschenschaften mit ihren Grundsätzen und Überzeugungen überhaupt auch in den heutigen Zeiten noch wichtig für unsere Gesellschaft und unser Gemeinwesen sind, habe ich oben bereits erläutert. Aber warum soll man sich als Student auf einen solchen Bund wie den unsrigen einlassen, was springt am Ende für einen selber dabei heraus?
Man kann hierüber geteilter Meinung sein und das Bild das viele Außenstehende von einer Studentenverbindung haben, ist sehr weit gefächert. Die einen glauben es mit einer Art Sekte zu tun zu haben, wieder andere denken an Filme wie „The sculls“ und sehen eine Elite, die sich gegenseitig in Politik und Wirtschaft weiterhilft und nach Grundsätzen lebt, die nicht unbedingt mit denen der übrigen Gesellschaft zusammenpassen. Beides ist natürlich unsinnig. Es handelt sich bei uns um einen Lebensbund, was heißt, dass man als Student eintritt und lebenslang Bundesbruder bleibt. Man hat als Student gewisse Vorteile, wie zum Beispiel das Verbindungshaus auf dem es täglich warmes Mittagessen gibt und günstige Zimmer, wie man sie in der Art nur für das doppelt und dreifache in der Stadt fände. Hinzu kommen die Kontakte, die sich automatisch ergeben, was besonders für jene von Vorteil ist, die von außerhalb kommend, ihre Verbindungen erst mühsam in der Universität knüpfen müssten. Nicht zuletzt bleibt man sein ganzes Leben mit Bund und Bundesbrüdern verbunden, man ist Teil einer Gemeinschaft, die unabhängig von persönlichen Rückschlägen und Problemen stets einen festen Rückhalt bietet.
Als großer Nachteil wird von vielen das Fechten empfunden, das häufig als überflüssiges und veraltetes Männlichkeitsritual abgetan wird. Dennoch ist es als sportlicher Wettkampf anzusehen, der die Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig prägt. Es ist statistisch erwiesen, dass es ungefährlicher als Fußball oder Schwimmen ist, und auch die entstellenden Narben, die es angeblich in den meisten Gesichtern hinterlassen soll, gehören in der Regel Schauermärchen an. Vergleicht man die Mensur der Verbindungsstudenten mit den Initiationsriten französischer oder britischer Eliteschulen, so brauch man über seine Gefährlichkeit erst recht keine weiteren Worte mehr zu verlieren. Letztendlich dient es als einender Faktor in der burschenschaftlichen Gemeinschaft, eine Sache, die ein jeder durchsteht, um dem inneren Kreis der Gemeinschaft angehören zu können. Die meisten blicken bei ihrem Eintritt skeptisch auf das Fechten und werden dann nach einigem Üben von ihrer Unsicherheit befreit. Dies wird offensichtlich wenn man sich vor Augen führt, dass Bünde, die ihren Bundesbrüdern die Mensur freistellen, sie am Paukbetrieb aber dennoch verpflichtend teilhaben lassen, kaum jemanden haben, der am Ende tatsächlich nicht ficht.
Insgesamt kann man sagen, dass Burschenschaften im Allgemeinen und unser Bund im Besonderen auch heute noch den Studenten sehr viel von den Dingen zu bieten haben, die über ein ganzes Leben hinweg Bedeutung haben können. Burschenschafter zu sein bedeutet an die eigene und die allgemeine Zukunft zu glauben und aktiv daran mitzuwirken.

Unsere Bundesgeschichte chronologisch:

Im Jahre 1851 wurde die Burschenschaft Germania Gießen gegründet. Ihr gingen etliche Verbindungen innerhalb Gießens voraus, die zwar nicht organisatorisch mit der Giessener Germania in Verbindung stehen, denen aber viele spätere Mitglieder und Gründer der Germania angehörten. Inhaltlich sollten die Ziele der jenaischen Urburschenschaft Vorbild für die neue Verbindung sein.

1853: Annahme der Farben schwarz - rot - grün und einer schwarzen Mütze.

Die Bezeichnung Burschenschaft wird offiziell erlaubt.
In den folgenden Jahren hat der Bund große Schwierigkeiten wegen innerer Meinungsverschiedenheiten.
Die Burschenschaft Germania wurde 1873 und 1885 wegen Mitgliedermangels suspendiert und
jeweils durch die Burschenschaft Alemannia wiederbegründet.

1897: Gründung des Hausbauvereins durch die Altherrenschaft.

1900: Grundsteinlegung zum Germanenhaus.

1901: Einweihung des eigenen Hauses anlässlich des 50. Stiftungsfest.

1903: Vorsitzende Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft

1919: Starke politische Tätigkeit einzelner Bundesbrüder, diesich in Freikorps organisierten, oder sich solchen anschlossen.

1936: Unser Bund löst sich unter dem Druck des NSDStB auf. Offiziell wird die Kameradschaft Brockwitz gegründet. 

1946: An der Gießener Universität finden sich eineige Stundenten zusammen und gründen die studentische Verbindung Universa.Hieraus 

WS 1946/47: Aus der Universa entsteht die Verbindung Ludiviciana mit den Farben schwarz, rot, silber.

1948: Die studentische Verbindung Ludoviciana übernimmt den Namen Germania mit deren Farben. 2. Ehrenband seitdem schwarz - rot - silber.

1949: Kleiner Burschentag in Gießen durch AH Gebhardt. 

1950: Burschentag in Marburg. Wiederbegründung der Deutschen Burschenschaft. Bezeichnung Burschenschaft und Farben schwarz - rot- gold offiziell erlaubt.

1952: Die suspendierte Gießener Burschenschaft Alemannia wird durch Unterstützungsburschen der Burschenschaft Germania wieder neu begründet.

1975: Eintritt in die Burschenschaftliche Gemeinschaft

1989: Austritt aus der Burschenschaftlichen Gemeinschaft. Gründung der Burschenschaftlichen Initiative.

2001: Im Sommer 2001 feierten wir unser 150. Stiftungsfest. Damit ist die Burschenschaft Germania Gießen die älteste Burschenschaft am Ort. Ausserdem wurde auch unser Germanenhaus 100 Jahre alt.

2008: Austritt aus der Deutschen Burschenschaft.

 
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